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Rundgänge in Aussersihl und Hard, dem Zürcher Stadtkreis 4

Casa d‘Italia

Die Casa d’Italia hat eine bewegte Geschichte. 1919 wurde sie als ein von Nonnen geführtes Waisenhaus gegründet, das italienische Kriegswaisen des Ersten Weltkriegs aufnahm. Minderjährige Italienerinnen wohnten im Haus und erhielten dank den Nonnen eine Arbeitsbewilligung in der Schweiz.

Das Waisenhaus wurde 1935 unter Benito Mussolini vom italienischen Generalkonsulat zur Casa d’Italia umfunktioniert. Sie wurde zu einem Zentrum klerikal- faschistischer Erziehung. Schon mit sechs Jahren mussten die Kinder den Schwur ablegen:«Dem Duce treu bis in den Tod.» Linke italienische Immigranten führten während Mussolinis Zeit im Kanzleischulhaus eine antifaschistische Schule als politisches Gegenprojekt zur Casa.

Seit den baulichen Erweiterungen in den 1930er Jahren – Anbau, Erhöhung um ein Stockwerk, Ausbau des Dachgeschosses – wirkt das Gebäude monumental und kompakt. Umlaufende Gesimse gliedern die Fassade in umlaufende Bänder.

Im Gebäude befinden sich heute ein Kindergarten, ein Hort, eine Primar- und eine Sekundarschule für italienisch-sprachige Kinder.

Neben der Schule spielt die Bar eine wichtige Rolle. Sie ist ein wichtiger Treffpunkt für Italiener in der Schweiz. Neben kulturellen Veranstaltungen sind auch die Übertragungen von Fussballspielen ein wichtiger Anziehungspunkt.

Adresse

Erismannstrasse 6

Erreichbarkeit

Güterbahnhof, Tram 8, Bus 31

Literatur

Baukultur in Zürich: Aussersihl, Industrie / Zürich West, Schutzwürdige Bauten und gute Architektur der letzten Jahre, Verlag NZZ 2004
  • Tages Anzeiger, 21. Juni 2008
  • Zürichberg Nr. 24, 12. Juni 2008